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Buchvorstellung „Kita Kitopia“ von Mariele Diekhof

Einladung zu einer Abenteuerreise

1 Tritt ein und staune

  1. Die Tür in den Garten
  2. Die Tür zum Bauraum
  3. Die Tür zum Tante Emma Atelier
  4. Die Tür zum goldenen Tisch

2 Das Kind im Mittelpunkt der Pädagogik von Kitopia

  1. Pädagogen in der Rolle der Beobachter
  2. Das Lernen des Kindes
  3. Partizipation und Mitbestimmung
  4. Sechs Schlüssel zur professionellen Bildungsarbeit

3 Kitopia schließt ihre Türen

Eine Einladung

Du magst Pädagogik und bist interessiert an Kita-Welten, willst Neues entdecken und Anregung für die tägliche Arbeit erhalten. Prima, dann habe ich etwas für dich.

Ich werde dir ein Buch vorstellen, welches mich sehr inspiriert und berührt hat. Einen Abenteuer-Fachroman der dich in ein Land der spannenden Pädagogik einlädt.

Ist „Kitopia“ gelebte Pädagogik oder Utopie? Werder noch. Das Buch ist so geschrieben, dass es sich anfühlt, als beträtest du eine reale Kita, spaziertest durch Räume und Garten und sprächest mit Pädagogen und Kindern. Du erlebst beim Schlendern und Staunen Orte und Bedingungen für Kinder, in denen sie mit Lust und Freude entdecken, forschen, spielen, Fragen stellen, sich Antworten suchen und gemeinsam mit anderen ihre Welt weiterentwickeln und gestalten. Du beobachtest Arbeitssituationen der Pädagogen, die Lust und Laune machen, mitzutun. Doch gleichzeitig wanderst du durch eine Utopie oder Vision von erträumter, moderner Pädagogik.

Du kannst in diesem Buch einen ganz besonderen Blick auf Kinder erleben, der sich am Impuls aller Kinder orientiert, die Welt zu entdecken und zu verstehen und Pädagogen zeigt, die ganz nach Mariele Diekhof`s Geschmack sind.

Sie sagt auf ihrer Internetseite, http://kita-beraterin.de, unter anderem „Ich mag Pädagoginnen und Pädagogen, die …

  • Achtung vor den Kindern haben und ihnen mit Wertschätzung begegnen
  • mit Kindern philosophieren, anstatt sie zu verplanen
  • mit ihnen lachen, staunen, forschen
  • im alltäglichen Miteinander gemeinsamen Fragen nachgehen
  • lebensbejahend und strahlend auftreten
  • einfühlsame Begleiter für die Kinder sind und ihnen Verlässlichkeit und Wärme vermitteln
  • den Kindern viel zutrauen, ihnen Freiheit geben und auch Verantwortung übertragen“

Darüber hinaus findest du unglaublich viele Anregungen für den pädagogischen Alltag. Du kannst dir super Ideen für die Rahmenorganisation und die Gestaltung struktureller Abläufe entnehmen und bekommst Einblick in eine einfache, informative Elternarbeit.

Das Buch „Kita Kitopia“ beschreibt die Beteiligung aller Kinder und eine sehr achtsame Kommunikation mit ihnen, deren Eltern sowie dem Pädagogenteam.

Ich kann Marile Diekhof`s Einladung an dich nur weitergeben. Begleite sie bei ihrer

„…spannenden Reise durch ein Land voller Phantasie, Zauberei, Bildung und Lebenslust.“

Mariele Diekhof, 2015, S.16

 

Ihr Buch Kita Kitopia kannst du von Anfang bis Ende lesen oder dir nach Lust und Laune Wege hindurch suchen. Das Inhaltsverzeichnis zeigt dir verschiedene Türen, hinter denen du einzigartige Welten für Kinder finden kannst.

 

1 Tritt ein und staune

Kita Kitopia heißt dich willkommen und öffnet dir ihre Türen tritt ein und folge mir. Ich öffne für dich ausgewählte Türen und du kannst dir einen kleinen Einblick verschaffen. Vielleicht macht es dich neugierig, auch die anderen Türen der Kita Kitopia zu öffnen.

 

1.1 Die Tür in den Garten

Erinnere ich mich an die schönsten, intensivsten und abenteuerlichsten Spielmomente meiner Kindheit, erinnere ich mich an Freiheit, draußen seinund vor allem Spielen ohne Erwachsene. Ganz ähnliche Erinnerungen scheint Mariele Diekhof zu haben und so den Kindern in Kitopia eine Entdeckerwelt bereitzustellen, die sie erforschen, erleben und verändern können. Natürlich geht es in einer Kita nicht ohne Erwachsene. Doch diese übernehmen in Kitopia nicht die Steuerung des Spiels und die Planung von Erfahrungen. Sie sind auch nicht die Aufseher der Ordnung und die Fachleute der Angebote. Sie sind dafür da, den Kindern diesen spannenden Raum nutzbar zu machen, achtsam Materialien bereitzustellen und zur Verfügung zu stehen – für all die Fragen der Kinder und daraus entstehender Lernprozesse. Im – Tun lassen – und – zur Seite stehen – liegt in der Kita Kitopia die Stärke der Erwachsenen. Der Garten hier erinnert an ein wildes Land mit kleinen und großen Reichen, verschiedener Vegetation und urbar genutzten Landen und in jedem Land können sich die Kinder neuen Herausforderungen und Erfahrungen stellen, es erschnuppern und befühlen, es besiedeln, bebauen und umgestalten. Was Kitopia`s Garten nicht ist: Er ist kein vorgefertigter kostenintensiv ausgestatteter Spielplatz. Er ist Raum zum Beleben. Einige der Pädagogen und Pädagoginnen die gerade im Garten beschäftigt sind führen mich herum und zeigen mir besondere Orte. Auch die Kinder kommen und nehmen mich mit zu ihren Lieblingsplätzen.

So kann ich eine Weile zuschauen wie die Kinder einen Blindenweg gestalten und dafür ausdauernd Steine heranschleppen. Die Erzieherin erklärt mir wie die Kinder auf diese Idee gekommen sind und wie erst geplant und nun umgesetzt wird – mit allem Drum und Dran, Gesprächen, Bauplänen und Baustelle. Mir wird vom Friedenstisch erzählt und ich werde in das Schimmelmuseum eingeladen. Ich lerne das Hüttendorf kennen, dass mit Kindern und Eltern um eine Feuerstelle gebaut wurde und besichtige den Werkstattbereich mit Bauwagen. Es gibt hier so viele inspirierende Ecken. Ich bin begeistert.

Und was gibt es noch alles?

  • Sandbereich und Matschbereich mit Wasserpumpe und vielen Behältern zum Schöpfen und Wasser holen
  • ein Berg
  • viele Büsche und Bäume, auch Kletterbäume
  • Küchenecke in der sich Töpfe, Pfannen und andere Küchensachen stapeln und die Kinder Blätter, Sand und Gras verrühren und vermatschen
  • Leinen, Wäschestücke und Klammern
  • Reccobaum, um zu musizieren
  • Wiesen zum Entspannen und Erzählen

Bist du neugierig geworden? Dann folge mir ins Haus.

 

1.2 Die Tür zum Bauraum

Öffnest du diese Tür, bist du mitten in einer Bauwerksbetrachtung der besonderen Art. Wie bei allen Betrachtungen von Arbeiten der Kinder, wird auch hier vorher eine besondere Atmosphäre geschaffen, damit die Kinder zur Ruhe kommen und sich konzentrieren können. Die Kinder sitzen im Kreis um das Bauwerk und die Erbauer erzählen davon. Mit achtsamen Fragen regt die Pädagogin zum Erzählen und Nachfragen an, aber auch dazu, sich Gedanken zu angrenzenden Themen zu machen, technische Details hervorzuheben oder einfach zu philosophieren. Es ist wohl jedes mal spannend, wohin sich diese Gespräche entwickeln. Die Erbauer und Konstrukteure werden ausgiebig gewürdigt. Anschließend machen sie Fotos von ihrem Bauwerk. Ein Teil davon wird den Eltern und Besuchern der Kita Kitopia an der Bau-Präsentationswand mit kleinen Zitaten der Kinder gezeigt. Später werden alle Fotos und Zitate in der Bauwerksmappe gesammelt. Dort warten sie auf Erinnerungs- oder Anregungssucher.

Viele Materialien regen die Kinder an, großartige Bauwerke und Landschaften zu entwickeln. Meine Vorstellungskraft hat beim Lesen die tollsten Bilder entwickelt, so dass ich am liebsten zugegriffen und gebaut hätte. Alle Materialien sind in schönen, ansprechenden Behältern gelagert und zum großen Teil für die Kinder jederzeit zugänglich. Ein Teil wertvoller Dinge, z.B. Glitzersteine, besondere Figuren oder Fahrzeuge sind immer nur in einer Stückzahl von Zwanzig vorrätig und müssen von den Kindern gut eingeteilt werden. Und ganz einzigartige Sachen stehen im rot markierten Regal. Um diese Dinge zu bekommen müssen die Kinder fragen.

Besondere Aufmerksamkeit erregt das Architekturbüro, ein kleiner abseitiger Bereich im Bauraum, in dem zwei Kinder Platz finden und mit allem was man so zum Planen und Skizzieren benötigt ihre Bauplanung zu Papier bringen können. Ein reichlicher Vorrat an Schablonen zu allen möglichen geometrischen Formen und Körpern liegen ebenso bereit, wie unterschiedliche Papiere, Lineal, Geodreieck, Scheren, Zirkel und Winkelmesser, nicht zu vergessen unzählige Bleistifte.

 

1.3 Die Tür zum Tante Emma Atelier

Der Name trifft die Ausstrahlung dieses Raumes perfekt. In Unmengen von Gläsern und Schachteln, wie in einem Tante Emma Laden, stecken 1000 Sachen und noch mehr Kram. Kram, der sich prima verwenden lässt, um kleine und große Kunstwerke entstehen zu lassen. Eindrucksvoll kannst du Regalmeter mit Gläschen, gefüllt mit unzähligen Farbnuancen bestaunen, die erst kürzlich in der Farbmixwoche entstanden sind. Also mich juckt es in den Fingern zum Pinsel zu greifen, und diese wunderschönen Farben auf`s Papier zu bringen.

Eine komplette Wand wird von den verschiedensten Bilderrahmen eingenommen, gefüllt mit der Kunst der Kinder, und zieht sicher auch deinen Blick an. Wunderbar inspirierend ist auch die Kunst-Klönecke in der es um den Maler Vincent van Gogh geht. Hier findest du eine Geschichte über das Leben und die Kunst des Malers und in Klönrunden regt sie die Kinder zum Weiterfragen, Nachdenken und Philosophieren über Kunst, das Leben oder den Tod an.

Mariele Diekhof sagt über den Zweck des Ateliers:

„Im Atelier wird das Ausprobieren, Experimentieren und Erfinden von neuen Rezepten und Maltechniken in hohem Maße gefördert und unterstützt. Hier wird an das Interesse der Kinder angeknüpft…“

Mariele Diekhof, 2015, S. 82

Es gibt einen Geheim Geheim Ordner, in dem die sehr geheimen Rezepturen für das Gestalten gesammelt werden. Mariele hat wohl die Kinder überzeugt, ihre Geheimnisse ausnahmsweise mit den Lesern des Buches zu teilen. Anschaulich für Kinder und Eltern werden alle mit den Kindern erarbeiteten und ausprobierten Techniken in kurzen Darstellungen und Beschreibungen vorgestellt.

Ähnlich wie die besondere Bauwerksbetrachtung, gibt es im Atelier immer wieder Bildbetrachtungen mit dem Künstlerkind. Das Künstlerkind erfährt so wohltuende Wertschätzung und Bestärkung in seinen Fähigkeiten. Die Betrachterkinder erfahren, dass ein Bild mehr ist als ein Bild, dass das Künstlerkind Ideen, Gefühle umgesetzt hat, dass es mit dem Malen Ideen entwickelte und dass sie selbst sich ein ganz eigenes Bild vom Bild machen können.

 

1.4 Die Tür zum goldenen Tisch

Hier erwartet dich ein ganz besonderes Ambiente. Die Kita Kitopia hat natürlich auch einen Raum in dem die Kinder essen. Aber sie ist die einzige Kita in der, nach meinem Wissen, ein goldener Tisch steht. Das ist ein festlicher Ort an dem zwei Kinder speisen können wie ein Königspaar. Der Tisch ist gedeckt mit einer goldenen Decke, edlem Geschirr und zarten Gläsern. Eine schöne Vase, gefüllt mit duftenden Blumen, eine funkelnde Blüten-Lichterkette und eine Schale mit frischen Obst schmücken ihn festlich. Die Kinder sitzen auf goldenen Stühlen die geschmückt sind mit glitzernden Steinen und gepolstert mit weichen Kissen.

Es steht eine Kiste mit zum „Schick-machen“ bereit, in der die Kinder Schmuck, Krawatten Hüte und andere Sachen finden, damit sie sich für den Platz am goldenen Tisch extra schön machen können. Die Kinder waschen sich vor der Mahlzeit mit einer duftenden Seife die Hände und werden mit schöner Musik auf ihr ganz besonderes Tischerlebnis eingestimmt.

An diesem Platz genießen es die Kinder, sich besonders gewählt auszudrücken, höflich um etwas zu bitten und von den Pädagogen oder anderen Kindern bedient zu werden. Natürlich herrschen an einem solchen Tisch gute Sitten und gegessen wird mit Messer und Gabel.

Ich kann mir vorstellen, dass sich einiges dieser wunderschönen Atmosphäre auf alle anderen Kinder im Raum überträgt. Damit wird eine schöne und entspannte Stimmung im ganzen Speiseraum hergestellt. Spürst du die Erwartung der Kinder, für einen Tag diesen Platz einnehmen zu dürfen?

Natürlich gibt es in der Kita Kitopia noch viele weitere spannende Räume und Bereiche. Ich kann dir nur empfehlen, einmal die Krippenräume zu besuchen oder in der Wissens-Ecke und der Märchen-Stube vorbeizuschauen. Auch ein Stopp im Theaterraum oder der Ruhe-Oase lohnen sich. Du wirst dort noch viele interessante Entdeckungen machen können. Auf deinem Weg durch die Kita Kitopia wünsche ich dir viel Spaß.

 

2 Das Kind im Mittelpunkt von Kitopia

Beim Lesen des Buches und beim Spazieren durch die Kita Kitopia begegnet mir an allen Stellen eine Grundhaltung immer wieder. Das selbstwirksame Kind wird als Mittelpunkt des Geschehens und der Ausrichtung allen pädagogischen Handelns gesehen. Diese neue Haltung hält langsam Einzug in die Alltagspädagogik und löst eine Vorstellung ab, die geprägt ist vom Paradigma des unfertigen unmündigen Kindes, das belehrt werden muss und das von sich aus nicht fähig ist, selbstbestimmt zu lernen.

Die Pädagogen in Kitopia trauen allen Kindern Fähigkeiten wie Forschen, Erkunden, Zusammenhänge erkennen, Fragen stellen bis sie die Antworten nachvollziehen können und Lösungen entwickeln, zu. Mariele Diekhof beschreibt es so:

„Die Kinder können sich nur so weit entfalten, wie die Umgebung es zulässt. … Alle Kinder benötigen ein anregendes Entdeckungsfeld,… um sich und die Welt zu entdecken… Schauen sie sich um, genau das möchten wir ihnen hier gerne bieten. Die Kleinen kommen mit einer großen Portion Neugierde auf die Welt, als individuelle Persönlichkeiten, die ihr eigenes Potential und Entwicklungstempo mitbringen,… Je mehr die Raumgestaltung die Grundbedürfnisse der Kinder berücksichtigt und je mehr Zeit wir ihnen für die Entdeckungen lassen, desto gesünder kann sich das Kind entwickeln und bilden.“

Mariele Diekhof, 2015, S. 232

 

2.1 Pädagogen in der Rolle des Beobachters

„Kinder wollen nicht beobachtet, sondern mit all ihren Bedürfnissen wahrgenommen werden:“ Mariele Diekhof, 2015, S. 25 Dieses Zitat widerspricht keineswegs der Überschrift. Es macht allerdings deutlich, welcher Fokus in der pädagogischen Beobachtung liegt und welcher Stellenwert einem – Ich nehme dich ganz und gar wahr und unterstütze dich. – statt – Ich weiß, was du als nächstes lernen sollst. – zugestanden wird.

Beobachtet wird das Spiel und die Interaktion der Kinder. Besonders auf das Tun der Kinder und deren Ausstrahlung wird geachtet. So können die Pädagogen sehen, was die Kinder brauchen. Sie können darauf reagieren und das Kind in Ruhe seine Aufgabe tun lassen, es unterstützen oder inspirieren. Hauptaufgabe der Pädagogen ist damit, zu erkennen, was die Kinder gerade brauchen. „Das zu erkennen und entsprechend empathisch reagieren, ist eine sehr hohe Kunst. Und darum geht es uns vordergründig in unserer pädagogischen Bildungsarbeit. Sie erfordert Professionalität, die gekennzeichnet ist von Klugheit, Einfühlungsvermögen, Begeisterungsfähigkeit, Fachwissen, Neugier, Humor und Herzlichkeit.“ Mariele Diekhof, 2015, S. 95

Diese Herangehensweise schließt alle Kinder ein. Auch die ganz kleinen Kinder äußern sich und aufmerksame Pädagogen sehen und erkennen, was die Kinder brauchen.

 

2.2 Das Lernen des Kindes

Kinder werden als lernende Wesen geboren. Sie bringen alles was sie dafür brauchen mit. Jeder Säugling hat Neugier und Aufmerksamkeit für seine Umwelt in sich. Stimmen, Dinge, Gerüche, die seine Neugier erregen, wecken seinen Forschergeist. Der Säugling richtet seine Aufmerksamkeit darauf und lernt. Kinder lernen und forschen intensiv aus sich selbst heraus. Erfahrungen und Wissen wächst dadurch, dass spannende Abläufe und Geschehnisse immer wieder beobachtet, ausprobiert, genutzt und verändert werden. Kinder erfragen sich ihre Welt und wir geben Antworten. Das Wissen um das selbstbildende Lernen der Kinder spiegelt sich in der Pädagogik der Kita Kitopia wieder.

Überall werden Anlässe zum Lernen geboten. Den Kindern wird „freie Zeit und Selbstbestimmung“ Mariele Diekhof, 2015, S. 31 eingeräumt, damit sie sich ihrem Lernen und Agieren widmen können. Sie werden nicht aus ihrem Tun gerissen, weil ein Angebot verordnet wird. „Es gibt kein von Termin zu Termin hetzen“, auch das wird in der Kita Kitopia groß geschrieben. Auf Fördermaßnahmen wird verzichtet, weil dies den eigenen Antrieb, die Welt zu entdecken , unterdrückt. Zutrauen in die Fähigkeiten des Kindes ist den Pädagogen der Kita Kitopia in Fleisch und Blut übergegangen. Sie sorgen sich nicht darum, ob allen Kinder der passende, gleiche Wissens- und Kenntnisstand beigebracht wird. Sie trauen dem Kind zu das Nötige und das Richtige für sich selbst zu erkunden und immerfort zu lernen. Sie wissen, dass die Freude am Entdecken und Lernen beim Kind nie nachlässt, wenn sie nicht unterdrückt wird.

 

2.3 Partizipation und Mitbestimmung

Wöchentlich findet in der Kita Kitopia eine Kinderkonferenz für Kinder ab 4 Jahre statt. Dafür wird eine anregende Atmosphäre geschaffen und mit den Kindern ein überschaubarer Zeitraum reflektiert. Dies ist der Ort, um aktuelle Stimmungslagen aufzugreifen, Ideen und Fragen, die die Kinder während der vergangenen Woche hatten, anzubringen und künftige Aktivitäten zu planen.

„Auch ungewöhnliche Ideen, Gedanken, Wünsche und Vorstellungen der Kinder werden respektiert und nicht von Erwachsenen nach Nutzen und Logik bewertet.“

Mariele Diekhof, 2015, S. 101

Zwei Fragen die in jeder Kinderkonferenz gestellt werden:

  1. Was war besonders schön, was hat die Kinder gefreut?
  2. Was hat sie geärgert?

Wesentlich in der Kinderkonferenz ist, dass einmal in der Woche innegehalten wird und sich Zeit für alles was die Kinder bewegt genommen wird. So lernen sie, zu reflektieren, sich zu äußern, aber auch, anderen zuzuhören und abweichende Meinungen zu akzeptieren. In diesem Kreis werden Zukunftspläne geschmiedet und komplette Planungen entwickelt. Die Kinder erfahren, dass Projekte und Dinge nicht vom Himmel fallen sondern Vordenken, gemeinsame Absprachen und Planung zu solch einem Prozess notwendig sind.

 

2.4 Sechs Schlüssel zur professionellen Bildungsarbeit

Mit den sechs Schlüsseln hat Mariele Diekhof eine hervorragende Eingrenzung auf das Wesentliche in der Bildungsarbeit mit Kindern geschaffen. Deshalb übernehme ich diese in Kurzform so wie sie im Buch benannt sind, ergänzt um meine Deutung.

Erster Schlüssel:

Alle Erzieher/innen sind sich ihrer Vorbildfunktion bewusst. Das heißt für mich: Unsere Vorbildwirkung ist die Bildung der Kinder. Kinder schauen sich die Welt an, auch uns und übernehmen, was sie sehen und hören. Wie wirke ich auf die Kinder? – ist also eine grundlegende Frage, die pädagogische Arbeit begleiten muss.

Zweiter Schlüssel:

Alle üben sich in positiver Sprache. Das heißt für mich:
Im Alltag müssen wir die eigenen Worte achtsam reflektieren. Setz deine Füße vorsichtig. – regt die Kinder besser zum Hinschauen und Aufpassen an als – Pass auf! Oder Fall nicht! Selbstverständlich sollte sein, dass Kinder nicht respektlos angesprochen werden oder über ihren Kopf hinweg gesprochen wird.

Dritter Schlüssel:

Bildungsfutter für alle – durch gezielte Teamvereinbarungen. Das heißt für mich: Im Team werden Absprachen getroffen, wie durch gezielte Formulierungen Lernen nebenbei angeregt wird. Zum Beispiel wird für das Krippenalter vereinbart, dass immer die Farbe eines Gegenstandes benannt wird. Wie zum Beispiel: Holst du mir bitte den roten Ball. Oder: Wir ziehen jetzt deine blaue Jacke aus.

Vierter Schlüssel:

Kinder beachten, statt beobachten. Das heißt für mich: Es geht darum, was Kinder jetzt in diesem Moment brauchen. Es geht nicht darum, was sie nächste Woche brauchen, um ein schönes elternfreundliches Angebot zu planen.

Fünfter Schlüssel:

Wir sind Wegbereiter für die Angebote der besonderen Art. Das heißt für mich: Wir sind nicht dafür da, Kindern ihre Zeit zu rauben, wir sind dafür da, ein Umfeld zur Erkundung aller pädagogischer Ziele zu schaffen. Eine Kita bietet mit ihren verschiedenen Räumen und Bereichen das besondere Angebot für jede Art von Lernen.

Sechster Schlüssel:

Sprachförderliche Grundhaltung – Kinder bewusst zum Sprechen bewegen. Das heißt für mich: Kinder, mit den richtigen Fragen zur richtigen Zeit zum Nachdenken und Sprechen anzuregen. Aktives Zuhören unterstützt Kinder, mehr zum Thema zu erzählen und eigene Gedanken ausführlich darzulegen.

3 Kitopia schließt die Türen

Mein Rundgang durch die Kita Kitopia ist an dieser Stelle beendet. Ich hoffe, es hat dir gefallen und vor allem neugierig gemacht. Dann ab in den Buchladen. Du wirst feststellen, die Türen zu allen Räumen sind leicht zu finden und das Inhaltsverzeichnis informiert anschaulich welche Themen hinter den Türen zu finden sind.

Hat die Kita Kitopia Bilder in dir aufsteigen lassen und Neugier auf mehr geweckt, dann lass es mich wissen. Ich danke dir, dass du mich begleitet hast und verabschiede mich von dir.

Carola Haldi

Literaturverzeichnis

Diekhof, Mariele (2015), Kita Kitopia, 3. Aufl.

Diekhof, Mariele (2021), http://kita-beraterin.de, letzter Zugriff: 04.Februar.2021

Dieser Beitrag hat 2 Kommentare

  1. Jana Patzig

    Danke für den inspirierenden Einblick in einen kindorientieren Kitaalltag. Ihr Blog regt an über sein eigenes pädagogisch Handeln nachzudenken.
    Für mich als Pädagogin war und ist es wichtig den Kindern einen schönen unbeschwerten und anregenden Tag mit vielen Sinneseindrücken und höher Wertschätzung zu schaffen.
    Danke für die Reise…

    1. Carola Haldi

      Liebe Jana,
      vielen Dank für die Rückmeldung. Es freut mich immer sehr, von Kolleginnen zu hören, die dies zum Ziel haben. Ich bemühe mich auch weiterhin interessante Artikel zu posten und die Rubriken zu füllen. Der nächste ist dieser Tage auf dem Weg. – Positive Sprache –
      Ich wünsche Ihnen weiterhin viel Freude bei der Arbeit mit den Kindern und der Umsetzung von der einen oder anderen Idee aus dem Buch. Und natürlich freue ich mich, wenn auch andere Artikel von mir, Lust zum Ausprobieren und einem regen Austausch im eigenen Kitateam machen.
      Liebe Grüße
      Carola Haldi

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