Elternabend auf Abstand – Teil 2

Wie du ein Thema für die Eltern aufbereiten kannst. Zwei Wege, es von der Ferne zu präsentieren.

Teil 2 von Vieren steht heute an. Wie versprochen wird es darum gehen, wie du ein Thema zu Eltern transportieren kannst. Normalerweise bist du dabei in direktem Austausch mit den Eltern. Fragen und Feedback kommen sofort und du kannst reagieren.

Ich zeige dir heute zwei mögliche Wege, wie du ein Thema auf Abstand vermitteln kannst.

  1. Schreib einen Text zum Thema.
  2. Dreh ein Video, in dem du das Thema präsentierst.

Fragen, die du dir vorher stellen solltest

  • Ist das Thema so wichtig, dass der extra Aufwand und die Zeit die dort hineinfließt gut investiert ist? Wenn nicht, lass es. Es sei denn, es ist dir sehr wichtig und du willst es unbedingt.
  • Ist das gewählte Thema noch aktuell und trifft es auf Interesse bei den Eltern? Das kannst du vorher klären. Du könntest dafür eine Ankündigung machen und das Interesse abfragen.
  • Was willst du mit der Vermittlung des Themas erreichen? Warum willst du darüber informieren? Das ist die wichtigste Frage die du dir stellen solltest.
  • Ist entschieden, dass du starten möchtest, überleg, was konkret du an einem Elternabend vom Thema vermittelt hättest. Weite das Thema nicht aus, auch wenn du es jetzt in einem anderen Format anbieten möchtest. Fokusiere dich auf einen Teilaspekt eines größen Themas.

Der Frage nach dem Warum widme ich einen Extraplatz, denn sie ist die wichtigste Frage vor deiner Arbeit überhaupt. Dabei ist es egal, in welchem Format du das Thema anbieten möchtest.

Warum vermittelst du den Eltern das Thema?

Unsere Zeit und unsere Energie ist begrenzt. Es muss deshalb klar sein, welches Ziel du mit Aktionen verfolgst. Deshalb stellt sich diese Frage auch hier. Was möchtest du mit dem Thema bewirken? Welchen Nutzen ziehst du daraus, es zu vermitteln. Oder welchen Nutzen ziehen die Eltern daraus, dass du es vermittelst.

Die Antworten darauf bestimmen maßgeblich die Art und Weise der Darbietung des Themas. Hier ein Beispiel für die unterschiedliche Herangehensweise bei unterschiedlichen Zielen.

Das Thema heißt z.B.: Trocken werden – Sauberkeitserziehung

  • die Eltern haben täglich neue Fragen zu diesem Thema und du möchtest nun eine allgemeine Information dazu erarbeiten, die du später auch weiteren interessierten Eltern geben kannst
    • mit diesem Ziel wirst du wahrscheinlich eine allgemeine Einführung in das Thema schreiben und dann die häufigsten Fragen auflisten und beantworten
    • dein Ziel hast du erreicht, wenn du immer wiederkehrende Fragen beantwortet hast und künftig nur noch diesen Text aus der Schublade holen musst
  • du hast dich mit deinem Team auf ein bestimmtes Prozedere in der Sauberkeitserziehung in eurer Kita geeinigt und dieses soll nun, verbunden mit einem theoretischen Hintergrund, den Eltern vermittelt werden
    • hier wirst du einen Ablaufplan mit theoretischer Ergänzung schreiben
    • dein Ziel ist erreicht, wenn alle betreffenden Eltern über den Ablauf schriftlich informiert wurden
  • du bist Expertin in diesem Thema und willst es öffentlich machen
    • in diesem Fall möchtest du dein Expertenwissen weitergeben
    • du schreibst also über dein Fachthema, um allen, die es interessiert, Input zu vermitteln
    • das Ziel ist erreicht, wenn du den Fachtext veröffentlicht hast

Wie du siehst, braucht es ein Ziel, um zu entscheiden , welcher Weg am besten dorthin führt.

Schreib einen Text zum Thema

Vor jedem Schreiben stehen Recherche und Struktur. Es bleibt dir überlassen, erst einmal allgemein zum Thema zu recherchieren , dann das Material zu sichten und dir eine Struktur für den Text zu überlegen oder die Themeneingrenzung schon vorgenommen zu haben und dann nur noch dafür zu recherchieren. Beide Varianten haben Vor- und Nachteile. Ich beschreibe es dir in meiner bevorzugten Reihenfolge, von der ich aber bei Bedarf abweiche.

Themeneingrenzung

Begrenze dich auf einen konkreten Teil des Themas:

  • um einen Aspekt ausführlich zu beschreiben
    • (ein guter Rundumblick, der im besten Fall zum Handeln animiert)
  • um fokusiert zu sein
  • um das Interesse der Eltern zu erhalten
    • (wie schon im Informationsteil beschrieben, sind die Eltern nicht daran interessiert, meterweise Text zu lesen, denn es ist unwahrscheinlich, dass du gerade ihr absolutes Lieblingsthema triffst)
  • um dich nicht mit begrenzter Textmenge zu verzetteln und zu oberflächlich zu bleiben

Gliederung

Mit der Eingrenzung des Themas bietet sich häufig schon eine erste Gliederung an. Deine Zielformulierung für den Text ist deine zweite Hilfe bei der Strukturierung. Abhängig von deinem Ziel und den thematischen Schwerpunkten strukturierst du deinen Text. Die Struktur leitet den Leser durch den Inhalt.

Sie muss deshalb einen roten Faden von der Einleitung bis zum Schluß haben und gleichzeitig eine immer größere Vertiefung in das Thema ermöglichen. Du kannst dir das wie einen Baum vorstellen. Der Stamm repräsentiert das Oberthema, die Äste sind verschieden Schwerpunkte des Themas, dünnere Zweige vertiefen die einzelnen Schwerpunkte weiter und die Blätter stehen für differenzierte Inhalte und Beispiele.

Unabhängig von der Gliederung und dem eigentlichen Thema braucht ein Text immer eine Einleitung und einen Abschluss. In der Einleitung beschreibst du, warum du diesen Text anbietest, welchen Gewinn er für die Eltern bringt und was die Eltern im folgenden Text erwartet. Der Abschluss bietet vielleicht eine kurze Zusammenfassung oder ein Fazit und ein Angebot.

An unserem Beispiel oben würde das vielleicht wie folgt aussehen:

  • es sollen die täglichen Fragen der Eltern zum Thema Sauberkeitserziehung beantwortet werden
    • der Stamm ist die Sauberkeitserziehung
      • das ist das umfassende Thema
        • du schreibst eine sehr kurze Einführung, manchmal reicht ein Satz
    • die großen Äste sind die Schwerpunktthemen, z.B.:
      • natürliche Entwicklung beim Kind
      • Sauberkeitserziehung zu Hause
      • Sauberkeitserziehung in der Einrichtung
      • Zusammenarbeit zwischen Eltern und Pädagogen
      • u.s.w.
        • du kannst, wenn du magst eine kurze Auflistung schreiben, aber dein Thema ist in diesem Besispiel nicht der Ast
    • die Zweige sind die Unterthemen der verschiedenen Schwerpunktthemen, z.B.:
      • physische Entwicklungsschritte bei der Erlernung der Kontrolle über Ausscheidungsfunktionen ist ein Zweig am Ast „natürliche Entwicklung beim Kind“
      • Methoden für Absprachen zwischen Eltern und Pädagogen ist ein Zweig am Ast „Zusammenarbeit zwischen Eltern und Pädagogen“
        • dein Ziel, die Fragen der Eltern zu beantworten liegt zwar bei diesem Ast, ist aber auch nur dein grobes Ziel
        • deshalb kannst du diesen Punkt außer Acht lassen, denn in der Einleitung beschreibst du dein Ziel schon
    • die Blätter sind Differenzierungen bis in kleinste Datails
      • einzelne Fragen der Eltern sind die Blätter und damit liegt hier dein Arbeitsschwerpunkt für den Text
      • die Fragen können natürlich ganz unterschiedlichen Zweigen und Ästen angehören, aber dennoch ist es nicht deine Aufgabe, den ganzen theoretischen Überbau zu beschreiben
      • du gruppierst ähnliche Fragen oder Fragen, die zu einem Zweig gehören

Nun hast du eine Struktur für deinen Text.

Du schreibst den Text

Orientierts du dich beim Schreiben an deiner Gliederung, ist klar, welche Inhalte in die einzelnen Punkte gehören. Ziel des Schreibens bei jedem Punkt ist, dass du die Kernaussagen und notwendigen Erklärungen dafür auf das Papier bringst und deine Adressaten sie verstehen können. Versetz dich in deine Leser hinein und formuliere den Text so, dass auch fachfremde Leser den Inhalt verstehen können.

Wir neigen alle dazu, in uns bekannten Zusammenhängen zu denken, diese aber nicht zu beschreiben, so dass Aussagen für sich genommen nur von uns selbst verstanden werden können. In unserem Beispiel oben, „Sauberkeitserziehung“, wissen wir Pädagogen natürlich warum wir routinierte Abläufe mit den Kindern trainieren und sehen die Schritte dafür vor unserem inneren Auge. Wir arbeiten ja damit. Eltern wissen das vielleicht nicht und müssen von uns eine Erklärung dafür erhalten. Für dich heißt das, die Sachverhalte so nachvollziebar wie möglich zu beschreiben. Vermittle den Eltern in deiner Beschreibung die Gründe und sinnvolle Erklärungen zu den einzelnen Handlungsschritten.

Reduziere deinen Text auf das Notwendige, um Kernaussagen und wesentliche Erklärungen zu trasportieren. Prosa ist nicht das Ziel. Vermeide Fremdworte oder komplizierte Beschreibungen. Verwende Beispiele, um das Verständnis zu erhöhen. Vermeide lange, verschachtelte Sätze.

Das wäre nun erst einmal das Rüstzeug für deine Texte.

Dreh ein Video

Einen großen Teil der Vorarbeiten wirst du für ein Video genauso wie für einen Text machen. Du stellst dir die Fragen im Vorfeld. Du grenzt dein Thema ein und beschreibst dein Ziel, welches du mit dem Video erreichen willst. Du gliederst dein Thema. Und du schreibst den Text, mindestens aber eine Stichwortliste. Lies oben nach, wenn du zu diesen Punkten noch Fragen hast.

Ein Video ist kein Text

Das ist ja nicht ganz so neu. Was heißt das nun? Mal davon abgesehen, dass du für ein Video vor der Kamera stehst und das Thema präsentierst und eine Menge technischer Aufwand damit verbunden ist. Du kannst nicht einfach vorlesen oder einen Text, wie oben beschrieben, auswenig lernen und aufsagen.

Du hälts einen Vortrag! Sicher hast du schon gute und schlechte Vorträge erlebt. Deshalb kannst du dich Folgendes fragen:

  • Bist du jemand, der gerne und sicher Vorträge hält?
    • (wenn nicht, bitte jemanden, der das gern tut oder übe )
  • Welche Details machen Vorträge lebendig?
    • (lebendige Sprache, Gesten, Bewegung im Vortrag,Pausen)
  • Kannst du Hilfsmittel einsetzen?
    • (Präsentationen, eingebaute Grafiken, Animationen)
  • Wie stellst du die Inhalte deines Themas in Worten dar?
    • (wir sprechen anders als wir schreiben)

Beantworte dir jede dieser Fragen. Dann hast du schon einiges an Gestaltungsmöglichkeiten für den Vortrag parat.

Hilfreich für dich ist es vielleicht, dich an Gespräche mit Eltern oder mit Kollegen über dein Thema zu erinnern und dir aufzuschreiben (Stichpunkte reichen),wie du welche Inhalte im Gespräch vermittelt hast.

Ist es sinnvoll, den Text auszuformulieren oder gar ein Drehbuch zu schreiben? Es kommt darauf an, sage ich. Es kommt darauf an, was es dir am leichtesten macht. Wieviel Sicherheit du brauchst, hängt von dir selbst ab. Hier gibt es kein Patentrezept. Vielleicht fühlst du dich dem Thema gewachsener, wenn du dir zur Vorbereitung alles fertig formulierst und ein ausgefeiltes Drehbuch gibt dir Sicherheit. Vielleicht reicht dir aber auch eine Stichwortliste. In jedem Fall solltest du wissen, wovon du sprichst.

Was du noch bedenken solltest

Vor dem Dreh muss natürlich die Technik stehen und du oder ein Helfer sollte sich mit Filmverarbeitung und Kopie, sowie Möglichkeiten der Verbreitung bei den Eltern auskennen. (Ich bin hierbei keine Hilfe, aber im Netz findet sich darüber genug Wissen und Anleitung oder in unserer Leserrunde ist jemand, der sich damit auskennt und das Wissen hier gerne teilt)

Darüber hinaus solltest du dir aber Gedanken über den Rahmen des Videos machen:

  • Wo wird gedreht?
  • Welche Hintergründe, wieviel Licht und Raum sind nötig?
  • Stehst oder sitzt du beim Vortrag , bewegst du dich?
  • Baust du andere Elemente ein, (Bilder, Grafiken, Musik)?
  • Wie erreichst du eine gute Tonqualität, (Lautstärke und Sprachqualität)?
  • Wie lang darf der Film dauern, um ihn den Eltern zuzumuten?
  • In welchem Thempo darfst du vortragen und wieviele Pausen braucht der Vortrag, (wir neigen dazu, viel zu schnell zu sprechen und ohne Punkt und Komma vorzutragen)?

Zum Schluss

Du hast von mir einen Überblick über die notwendigen Vorbereitungen bekommen, mit denen du Themen, auf zwei unterschiedliche Weisen aufbereitet, zu den Eltern transportieren kannst.

Wie du gemerkt hast, habe ich dir im Videoteil nur die Anregungen zur Themenverarbeitung und Darstellung mitgegeben. Den ganzen technischen Teil musst du dir von Fachleuten holen, darin bin ich nicht gut.

Schreibe mir im Kommentar, ob du mit einer dieser Varianten schon Erfahrungen gemacht hast.

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